Gedanken einer Kerze


Mein Aussehen und die Form, die ich habe,wählte ich mir nicht selbst.
Weise und geschickte Hände haben mich mit lieber Absicht gegossen.
Entgegen früherer Wünschen und Regungen, anders zu sein, bin ich heute sehr froh und dankbar, dass ich wunderbar gestaltet bin. Es macht mir nicht mehr viel aus, so und nicht anders zu sein.

Der schönste Augenblick für mich war, als ich entzündet wurde und damit endlich meiner Bestimmung entsprach. Zwarerschrak ich im ersten Moment durch das auf mich zukommendeFeuer, aber zugleich fühlte ich mich davon angezogen. Nie hatte ich so etwas gesehen. Es war mir bange vor der Berührung. Doch genau das brauchte ich, um meine Dasein nicht zu verfehlen. Es wäre mir zuwenig, nur als Zierkerze in einer Ecke zu stehen.

*Jetzt stehe ich an diesem Platz un habe die Aufgabe, heute und jetzt zu leuchten.Planende,gute Hände trugen mich hierhin. Sie wählten den Ort aus, nicht ich. Hier möchte ich meine ganze Leuchtkraft geben.

Für andere möchte ich da sein: - andere erfreuen
- andere erwärmen
- anderen leuchten

Am liebsten möchte ich meine Strahlen in den Winkel schicken, in dem es sehr dunkel und trostlos ist. Hier möchte ich meinen Dienst tun:
- ob man mich beachtet oder nicht
- ob man von mir spricht oder nicht
- ob ich Dank erhalte oder nicht

Meine Angst und meine schweren Zeiten will ich auch nicht verschweigen.
Meine Feinde die mir Schrecken einjagen und mich zum Erlöschen bringen wollen, heissen Wind und Sturm. Nicht selten versuchten sie, auf verschiedene Weise oft sehr heftig, meine Flamme auszublasen. Unruhig flackernd ring ich dann um mein Leben.
Doch in jeder Situation auch in der auswegslosesten und notvollsten, als ich meinte zu erliegen habe ich erfahren, dass schützende und bewahrende Hände mich von allen Seiten umgaben. Wären diese Hände nicht, so wäre ich längst erloschen.
Die Hände, die mich hierher stellten, können mich auch wieder aufheben und an einen anderen Ort bringen. Ohne Furcht kann ich vertrauen. Ohne Widerspruch und Fragen möchte ich es geschehen lassen.
Werde ich abseits gestellt, ganz allein gelassen, wo Angst und Finsternis gross sind, dann möchte ich keine Sorge haben, dass ich in Vergessenehit gerate.

Nur einen Wunsch habe ich:
- ich möchte leuchten
- ich möchte Licht verbreiten
- ich möchte Licht im Dunkeln sein

In meinem eigenen Abnehmen und Kleinwerden liegt das Geheimnis meiner Leuchtkraft!
Ich möchte mich in erster Linie für den verzehren, der mich entzündet hat.
Mein Leben soll Liebe und Dank zu seiner Freude sein!

Gebet:
Herr, ich will Dir danken, dass Du in mir ein Licht entzündet hast. Ohne Dich hätte ich kein Licht in mir.
Du willst, dass ich mein Licht leuchten lasse. Dort wo Du mich hingestellt hast.
So lass mich heute Licht für Dich sein, du selbst bist es,der seine schützende Hände um mich legt und davor bewahrt, dass das Licht in mir verlöscht. Herr, begleite Du mich an diesem Tag. Gib mir Kraft für meine Aufgaben.
AMEN